
Was ist Glücksspielsucht?
Glücksspielsucht – in der Fachsprache auch pathologisches Glücksspiel oder Spielstörung genannt – ist eine anerkannte psychische Erkrankung. In der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD-11) wird sie als Verhaltensstörung eingeordnet. Betroffene verlieren die Kontrolle über ihr Spielverhalten, obwohl dies erhebliche Folgen für ihr Berufs- und Privatleben hat.
Glücksspielsucht entsteht nicht über Nacht. Sie entwickelt sich schleichend: Was als Freizeitvergnügen beginnt, kann sich zu einem zwanghaften Verhalten entwickeln, das den Alltag beherrscht. Laut BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) zeigen Schätzungen, dass ein nennenswerter Teil der Bevölkerung ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten aufweist.
Warnzeichen erkennen
Nicht jeder, der regelmäßig spielt, ist süchtig. Problematisch wird das Spielen, wenn folgende Zeichen auftreten:
- Der Einsatz muss immer höher werden, um den gleichen Reiz zu erhalten
- Verluste werden durch weiteres Spielen „aufgeholt" (Chasing)
- Spielen dient dazu, Stress, Angst oder depressive Gefühle zu bewältigen
- Kontrollversuche scheitern wiederholt
- Schulden entstehen durch das Spielen
- Familie, Freunde oder der Arbeitsplatz leiden unter dem Spielverhalten
- Das Spielen wird verheimlicht oder verleugnet
Treffen mehrere dieser Punkte zu, empfiehlt sich der Selbsttest oder ein Gespräch mit einer Fachberatungsstelle.
BZgA-Helpline Glücksspielsucht: 0800 1 37 27 00
Kostenlos und anonym, täglich 10–22 Uhr.
Formen des problematischen Glücksspiels
Glücksspielsucht ist nicht auf eine einzige Spielform beschränkt. Zu den häufig genannten Bereichen gehören:
- Automatenspiele (Geldspielgeräte in Spielhallen und Gaststätten)
- Online-Casinos und -Slots (besonders niedrigschwellig zugänglich)
- Sportwetten (Fußball, Tennis, Pferderennen – auch als Sportwetten-Sucht bekannt)
- Poker (live oder online)
- Lotterien und Rubbellose (seltener, aber möglich)

Hilfe suchen: Die erste Hürde überwinden
Viele Betroffene leben jahre- oder jahrzehntelang mit ihrer Sucht, bevor sie Hilfe in Anspruch nehmen. Scham, Schuldgefühle und die Überzeugung, das Problem allein in den Griff zu bekommen, sind häufige Hinderungsgründe. Dabei gilt: Je früher professionelle Unterstützung gesucht wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.
Das Hilfesystem in Deutschland bietet unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten:
- Telefonberatung: Anonym und kostenlos – ideal als erster Schritt.
- Ambulante Beratung: Fachberatungsstellen in vielen Städten, oft kostenlos oder kostengünstig.
- Selbsthilfegruppen: Gemeinschaft von Betroffenen, gegenseitige Unterstützung.
- Stationäre Therapie: Fachkliniken für intensive Behandlung bei schwerer Abhängigkeit.
Behandlung und Therapie
Glücksspielsucht ist gut behandelbar. Verschiedene Therapieformen haben sich bewährt:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Gilt als wirksamste Therapieform bei Spielstörungen.
- Motivationstherapie: Stärkt den Veränderungswillen der Betroffenen.
- Rückfallprävention: Erkennen und Umgehen von Auslösesituationen.
- Gruppentherapie: Soziale Unterstützung und gemeinsames Erarbeiten von Strategien.
In spezialisierten Fachkliniken können diese Therapieelemente in intensiver stationärer Form kombiniert werden. Bei weniger ausgeprägter Problematik sind ambulante Beratung und Selbsthilfegruppen häufig ausreichend.
Häufig gestellte Fragen zur Glücksspielsucht
Was ist Glücksspielsucht und wie entsteht sie?
Glücksspielsucht (auch Spielstörung oder pathologisches Glücksspiel) ist eine psychische Erkrankung, bei der die Kontrolle über das eigene Spielverhalten verloren geht. Sie entsteht durch das Zusammenwirken von biologischen Faktoren (z. B. Dopaminsystem), psychologischen Faktoren (z. B. Stressverarbeitung, Impulsivität) und Umweltfaktoren (Verfügbarkeit von Glücksspielen, soziales Umfeld). Die Erkrankung verläuft häufig in Phasen: Gewinnphase, Verlustphase, Verzweiflungsphase.
Wie erkenne ich, ob ich spielsüchtig bin?
Typische Zeichen sind: zunehmende Einsätze trotz Verlusten, erfolglose Kontrollversuche, Spielen als Reaktion auf negativen Emotionen (Stress, Trauer), Verheimlichen des Spielens vor Familie und Freunden sowie finanzielle Schwierigkeiten durch das Spiel. Der Selbsttest auf dieser Seite kann eine erste Orientierung geben.
Gibt es eine kostenlose Hotline für Spielsucht?
Ja. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betreibt die kostenlose Telefonhotline 0800 1 37 27 00. Sie ist täglich von 10 bis 22 Uhr erreichbar, anonym und kostenfrei – auch vom Mobiltelefon aus.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Spielsucht-Therapie?
Ja, gesetzliche und private Krankenversicherungen übernehmen grundsätzlich die Kosten für eine Suchttherapie bei anerkannter Spielstörung. Voraussetzung ist in der Regel ein ärztliches Attest sowie die Bewilligung der Krankenkasse. Ambulante Beratungsstellen sind häufig kostenlos oder sozial gestaffelt. Sprechen Sie Ihre Krankenkasse oder eine Beratungsstelle an.
Kann man Glücksspielsucht allein überwinden?
Manche Betroffene schaffen dies, jedoch ist der Weg ohne professionelle Unterstützung deutlich schwieriger. Selbsthilfegruppen wie Anonyme Spieler bieten niedrigschwellige Unterstützung. Für schwerere Verläufe ist eine fachliche Begleitung (ambulant oder stationär) empfehlenswert.
Was können Angehörige tun, wenn jemand spielsüchtig ist?
Angehörige sollten weder Schulden begleichen noch das Spielen unterstützen (sogenanntes „Enabling"). Hilfreich sind offene, nicht vorwurfsvolle Gespräche, das Aufzeigen von Hilfsangeboten und das Setzen klarer Grenzen. Auch für Angehörige selbst gibt es Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen (z. B. Familienangehörige Anonymer Spieler).
Wie lange dauert eine Glücksspielsucht-Behandlung?
Das hängt von der Schwere der Erkrankung und der gewählten Behandlungsform ab. Ambulante Beratung kann Wochen bis Monate dauern. Stationäre Behandlungen in Fachkliniken dauern in der Regel zwischen vier Wochen und mehreren Monaten. Anschließend wird häufig eine ambulante Nachsorge empfohlen.
Sind Online-Casinos besonders suchtgefährdend?
Fachleute weisen darauf hin, dass Online-Glücksspiele durch ihre jederzeitige Verfügbarkeit, schnelle Spielabfolge und anonyme Nutzung ein erhöhtes Suchtpotenzial aufweisen können. Seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 müssen lizenzierte Anbieter in Deutschland Spielerschutzmaßnahmen wie Einzahlungslimits und Sperrmöglichkeiten anbieten.
Was ist der Unterschied zwischen problematischem Spielen und Spielsucht?
Problematisches Spielen beschreibt ein Spielverhalten, das bereits negative Folgen hat, die Diagnosekriterien einer vollständigen Spielstörung aber noch nicht vollständig erfüllt. Spielsucht (pathologisches Glücksspiel, ICD-11: 6C50) bezeichnet die vollständig ausgeprägte Erkrankung mit Kontrollverlust und erheblichen Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen.
Wo finde ich Fachkliniken für Spielsucht in Deutschland?
Eine Übersicht spezialisierter Einrichtungen finden Sie auf der Fachkliniken-Seite dieser Website. Dort sind bekannte Kliniken wie die Median Klinik Bad Hersfeld, die Suchtklinik Lindow und weitere Einrichtungen aufgeführt. Auch die BZgA-Hotline (0800 1 37 27 00) kann bei der Kliniksuche helfen.