Hilfe bei Glücksspielsucht

Informationen, Beratungsstellen und Therapieoptionen für Betroffene und Angehörige in Deutschland.

Lesezeit: ca. 7 Minuten
Beratungsgespräch bei Spielsucht – Unterstützung für Betroffene

Was ist Glücksspielsucht?

Glücksspielsucht – in der Fachsprache auch pathologisches Glücksspiel oder Spielstörung genannt – ist eine anerkannte psychische Erkrankung. In der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD-11) wird sie als Verhaltensstörung eingeordnet. Betroffene verlieren die Kontrolle über ihr Spielverhalten, obwohl dies erhebliche Folgen für ihr Berufs- und Privatleben hat.

Glücksspielsucht entsteht nicht über Nacht. Sie entwickelt sich schleichend: Was als Freizeitvergnügen beginnt, kann sich zu einem zwanghaften Verhalten entwickeln, das den Alltag beherrscht. Laut BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) zeigen Schätzungen, dass ein nennenswerter Teil der Bevölkerung ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten aufweist.

Warnzeichen erkennen

Nicht jeder, der regelmäßig spielt, ist süchtig. Problematisch wird das Spielen, wenn folgende Zeichen auftreten:

Treffen mehrere dieser Punkte zu, empfiehlt sich der Selbsttest oder ein Gespräch mit einer Fachberatungsstelle.

Kostenlose Telefonberatung

BZgA-Helpline Glücksspielsucht: 0800 1 37 27 00
Kostenlos und anonym, täglich 10–22 Uhr.

Formen des problematischen Glücksspiels

Glücksspielsucht ist nicht auf eine einzige Spielform beschränkt. Zu den häufig genannten Bereichen gehören:

Schematische Darstellung der Suchtentwicklung bei Glücksspielen

Hilfe suchen: Die erste Hürde überwinden

Viele Betroffene leben jahre- oder jahrzehntelang mit ihrer Sucht, bevor sie Hilfe in Anspruch nehmen. Scham, Schuldgefühle und die Überzeugung, das Problem allein in den Griff zu bekommen, sind häufige Hinderungsgründe. Dabei gilt: Je früher professionelle Unterstützung gesucht wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.

Das Hilfesystem in Deutschland bietet unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten:

Wichtig: Angehörige sind ebenfalls betroffen Glücksspielsucht betrifft nicht nur Spielende selbst. Partner, Kinder und Eltern leiden häufig mit. Auch für Angehörige gibt es spezifische Beratungs- und Selbsthilfeangebote.

Behandlung und Therapie

Glücksspielsucht ist gut behandelbar. Verschiedene Therapieformen haben sich bewährt:

In spezialisierten Fachkliniken können diese Therapieelemente in intensiver stationärer Form kombiniert werden. Bei weniger ausgeprägter Problematik sind ambulante Beratung und Selbsthilfegruppen häufig ausreichend.

Häufig gestellte Fragen zur Glücksspielsucht

Was ist Glücksspielsucht und wie entsteht sie?

Glücksspielsucht (auch Spielstörung oder pathologisches Glücksspiel) ist eine psychische Erkrankung, bei der die Kontrolle über das eigene Spielverhalten verloren geht. Sie entsteht durch das Zusammenwirken von biologischen Faktoren (z. B. Dopaminsystem), psychologischen Faktoren (z. B. Stressverarbeitung, Impulsivität) und Umweltfaktoren (Verfügbarkeit von Glücksspielen, soziales Umfeld). Die Erkrankung verläuft häufig in Phasen: Gewinnphase, Verlustphase, Verzweiflungsphase.

Wie erkenne ich, ob ich spielsüchtig bin?

Typische Zeichen sind: zunehmende Einsätze trotz Verlusten, erfolglose Kontrollversuche, Spielen als Reaktion auf negativen Emotionen (Stress, Trauer), Verheimlichen des Spielens vor Familie und Freunden sowie finanzielle Schwierigkeiten durch das Spiel. Der Selbsttest auf dieser Seite kann eine erste Orientierung geben.

Gibt es eine kostenlose Hotline für Spielsucht?

Ja. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betreibt die kostenlose Telefonhotline 0800 1 37 27 00. Sie ist täglich von 10 bis 22 Uhr erreichbar, anonym und kostenfrei – auch vom Mobiltelefon aus.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Spielsucht-Therapie?

Ja, gesetzliche und private Krankenversicherungen übernehmen grundsätzlich die Kosten für eine Suchttherapie bei anerkannter Spielstörung. Voraussetzung ist in der Regel ein ärztliches Attest sowie die Bewilligung der Krankenkasse. Ambulante Beratungsstellen sind häufig kostenlos oder sozial gestaffelt. Sprechen Sie Ihre Krankenkasse oder eine Beratungsstelle an.

Kann man Glücksspielsucht allein überwinden?

Manche Betroffene schaffen dies, jedoch ist der Weg ohne professionelle Unterstützung deutlich schwieriger. Selbsthilfegruppen wie Anonyme Spieler bieten niedrigschwellige Unterstützung. Für schwerere Verläufe ist eine fachliche Begleitung (ambulant oder stationär) empfehlenswert.

Was können Angehörige tun, wenn jemand spielsüchtig ist?

Angehörige sollten weder Schulden begleichen noch das Spielen unterstützen (sogenanntes „Enabling"). Hilfreich sind offene, nicht vorwurfsvolle Gespräche, das Aufzeigen von Hilfsangeboten und das Setzen klarer Grenzen. Auch für Angehörige selbst gibt es Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen (z. B. Familienangehörige Anonymer Spieler).

Wie lange dauert eine Glücksspielsucht-Behandlung?

Das hängt von der Schwere der Erkrankung und der gewählten Behandlungsform ab. Ambulante Beratung kann Wochen bis Monate dauern. Stationäre Behandlungen in Fachkliniken dauern in der Regel zwischen vier Wochen und mehreren Monaten. Anschließend wird häufig eine ambulante Nachsorge empfohlen.

Sind Online-Casinos besonders suchtgefährdend?

Fachleute weisen darauf hin, dass Online-Glücksspiele durch ihre jederzeitige Verfügbarkeit, schnelle Spielabfolge und anonyme Nutzung ein erhöhtes Suchtpotenzial aufweisen können. Seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 müssen lizenzierte Anbieter in Deutschland Spielerschutzmaßnahmen wie Einzahlungslimits und Sperrmöglichkeiten anbieten.

Was ist der Unterschied zwischen problematischem Spielen und Spielsucht?

Problematisches Spielen beschreibt ein Spielverhalten, das bereits negative Folgen hat, die Diagnosekriterien einer vollständigen Spielstörung aber noch nicht vollständig erfüllt. Spielsucht (pathologisches Glücksspiel, ICD-11: 6C50) bezeichnet die vollständig ausgeprägte Erkrankung mit Kontrollverlust und erheblichen Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen.

Wo finde ich Fachkliniken für Spielsucht in Deutschland?

Eine Übersicht spezialisierter Einrichtungen finden Sie auf der Fachkliniken-Seite dieser Website. Dort sind bekannte Kliniken wie die Median Klinik Bad Hersfeld, die Suchtklinik Lindow und weitere Einrichtungen aufgeführt. Auch die BZgA-Hotline (0800 1 37 27 00) kann bei der Kliniksuche helfen.